Ferngelenkt: Schiffe ohne Steuermann

Ships, Paris, Eiffel Tower

So romantisch wie hier in Paris ist Schiffahrt selten – vor allem die Binnenschifffahrt. Meist sind Schiffsführer und Besatzung im Pendelverkehr unterwegs, schippern über Flüsse und Kanäle, bleiben wochenlang an Bord und arbeiten bis zu 14 Stunden am Stück, ehe sie mal wieder Freunde und Familie sehen.

Kein Arbeitsrhythmus, der bei jungen Leuten gut ankommt. Deshalb arbeitet ein Forscherteam der Universität Duisburg-Essen an einem virtuellen Steuerstand, der es ermöglichen soll, Binnenschiffe von Land aus fernzusteuern – ehe die Wasserfahrzeuge so intelligent werden, dass sie auch ohne Steuermann auskommen.

Denn Binnenschiffe sind aus volkswirtschaftlicher Sicht ein wichtiges Transportmittel: Sie bewegen sich auf Wasserstraßen, die noch viel Platz haben, verbrauchen pro Kilometer Ladung weit weniger Kraftstoff als Lkw und zerstören auch keinen Asphalt. „Eine umwelt- und klimafreundliche Logistik ist ohne die Binnenschifffahrt nicht denkbar“, stellt die Bundesregierung in ihrem Masterplan Binnenschifffahrt fest. Nur leider fehlt es der Branche an Nachwuchs.

Aber vielleicht kann das Projekt der UDE ja helfen, Binnenschiffahrt selbst für die Generation Playstation wieder attraktiv zu machen: Der digitale Steuerstand protzt mit 19 Beamern, die auf einer zylindrischen Leinwand eine Rundumsicht des Geschehens an Bord vermitteln. Auch Mixed-Reality-Brillen liegen für künftige Schiffsführer bereit. (Kapitäne gibt es in der Binnenschifffahrt übrigens nicht, wie ich bei der Recherche gelernt habe.)

Mein Artikel zu dem Projekt ist in der deutschen Technology Review, Ausgabe 10/2020, erschienen und inzwischen auch online zu lesen.

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